Ob es nun der Umgang mit den Covid-19-Einschränkungen war oder die Reaktionen darauf – beides hätte letztes Jahr nicht unterschiedlicher ausfallen können.

Was uns allerdings geeint hat, war der schmerzliche Verlust vieler Annehmlichkeiten, die wir als selbstverständlich erachten. Die wir erst wieder zu schätzen wissen, wenn wir sie nicht mehr haben. Freizeitaktivitäten wie Freunde treffen, ein Restaurantbesuch oder gar beides kombiniert. 

Natürlich war es schön, dass lockdownbedingt gefühlt jeder zweite Haushalt seinen eigenen Sauerteig fütterte, einen Barista beherbergte oder ein Diplom im Cupcakes Backen verliehen bekam. Aber die Einkehr beim Wirt oder bei der Wirtin seines bzw. ihres Vertrauens konnte selbst durch die coolste Take-away- und Liefer-Option niemals ersetzt werden. Und dass die Einschränkungen gerade die Tourismus- und Gastronomiebranche mitunter am härtesten getroffen haben, machte es für Genießer und (Stamm-)Gäste noch schmerzlicher. Grund genug, die Helden und Heldinnen am Herd und im Service heute hochleben zu lassen. Stellvertretend für die bunte Gastronomie-Szene in Bregenz stellen wir zwölf Lokale vor. Natürlich samt besonderer „Fähigkeiten“, damit es noch leichter wird, sein Lieblingslokal zu finden.

PIER69 

Besonderheiten: Lage, Frühstück, Steak Corner

Allen Doppeldeutigkeiten zum Trotz verbinden wir Fleischeslust mit dem Genusserlebnis von gereiften und gegrillten Steaks. Angesichts aktueller Ansprüche an Qualität, Herkunft und Zubereitung wünscht man sich genau einen Ort wie das Pier69, wo Profis am Werk sind. Praktischerweise liegt das Restaurant direkt am Hafen der Stadt (Promenaden-Sitzplätze inklusive), verfügt über eine inspirierende Frühstückskarte (Shakshuka, Quinoa-Bowl, Omelette oder Lachs-Bagel) und bietet auch abseits vom Fleisch eine frische Kreativküche an. Doch zurück zum Steak Corner: T-Bone, Tomahawk, Porterhouse oder Filet sind zweifelsfrei die Stars im Pier.

Pier 69

CASINO RESTAURANT FALSTAFF 

Besonderheiten: Ambiente, Weinauswahl, Küchenchef Stefan Lenz, Chef’s Table

Klotzen statt kleckern: Das edle Restaurant geizt wahrlich nicht mit seinen Vorzügen und hat sich die letzten Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Lage am See, traumhafte Lounge-Terrasse, begehrte Events und eine kompetent-sympathische Servicebrigade sind die perfekten Rahmenbedingungen für die Küche von Stefan Lenz. Der Vorarlberger erkochte sich schon vor Jahren drei Hauben in einem Tiroler Nobelhotel, kehrte 2019 zurück und verwöhnt seither die FALSTAFF-Gäste mit außergewöhnlichen Kreationen. Auch wenn es sich optisch und kulinarisch um Kunstwerke handelt, bleiben die Spielereien den Casino- Tischen vorbehalten. Getoppt wird das Erlebnis nur noch vom exklusiven Chef’s Table – unbedingt reservieren!

Casino Restaurant Falstaff  

Drei Junge Leute stoßen mit ihren Drinks an. Im Hintergrund ein Hafen mit Segelbooten. Drei Junge Leute stoßen mit ihren Drinks an. Im Hintergrund ein Hafen mit Segelbooten.

GASTHAUS KORNMESSER 

Besonderheiten: Gastgarten, Augustiner Bier, Gastgeberpaar

Und wenn wir schon beim Thema Bier sind, setzen wir die Reise mit einem Wahrzeichen der Gutbürgerlichkeit fort. Thomas und Theresia Zwerger schaffen im Kornmesser den Spagat zwischen gemütlicher Brauerei-Einkehr und gepflegter Wirtshauskultur. Spezialitäten wie Ochsenmaulsalat, Weißwürste oder Wiener Würstchen im Gulaschsaft sind Entscheidungshilfen für die Augustiner-Bräu-Köstlichkeiten. Je nach Saison gibt’s sogar den Maximator (Doppelbock) aus dem Fass. Hingegen schmeckt der karamellisierte Ziegenkäse auf Tomatenragout, das knusprige Zanderfilet oder der Tafelspitz mit gerösteten Erdäpfeln im schattigen Gastgarten und in den Stuben gleichermaßen gut.

Gasthaus Kornmesser 

 

BIERBAR HOTEL WEISSES KREUZ 

Besonderheiten: Auswahl, Ambiente, Kompetenz

Die gute Nachricht: Es gibt Bier. Die schlechte: Es gibt viel zu viel davon! Wer soll sich denn da entscheiden können? Dutzende gebraute Köstlichkeiten warten darauf, entdeckt und probiert zu werden – praktisch, dass der Serviceleiter Alessandro La Rocca gemeinsam mit Andrea Kinz und ihrem Team zur Seite steht. Mit Elsbeere veredeltes Kiesbyer Waldbier, das Aecht Schlenkerla (Märzenbier mit Rauch-Aromen), Erdinger Pikantus mit Röstaromen oder die Meerjungfrau (Sour Ale) gehören zu den hippen Sorten für Entdecker. Das Hirter Zwickl, das bayerisch-dunkle Hirschen-Hausbier, das regionale Mohren Spezial oder das Kilkenny Irish Red Ale wird hingegen Puristen begeistern. Selbstverständlich wird auch der nahrhafte „Unterbau“ serviert: Schnitzelstreifen, gebackener Blumenkohl, Weißwürste oder Käse-Speck-Platte erfreuen Herz und Gaumen.

Bierbar Hotel Weisses Kreuz

In der Bierbar Bregenz wird ein frisches Bier gezapft In der Bierbar Bregenz wird ein frisches Bier gezapft

 BAHI 

Besonderheiten: Kaffee, vegetarisches Mittags-Buffet, Yoga

Dieser wunderbare Ort hat ausgereicht, um Bregenz ein ganzes Stück urbaner zu machen. Barista-Spezialitäten (was für ein Kaffee!), frischer Zopf oder Bahi-Bowl zum Frühstück, vegetarisch-vegane Currys, Pasta-Bowls und andere Leckereien zum Lunch sind vielleicht für Großstadtmenschen selbstverständlich, bei uns aber eine lang ersehnte Ergänzung zu Klassisch-Bewährtem. Dass man die lässigen Räumlichkeiten für Yoga-Sessions und als Co-Working-Space nutzt oder das Lokal gleich für Anlässe aller Art buchen kann, macht das Konzept sogar noch sympathischer.

Bahi

 

THEATERCAFÉ 

Besonderheiten: Süßspeisen, Frühstück, Lage

Bekennende Schokoholiker halten hier ihre Treffen ab, beim Prosecco-Frühstück vergessen die Ladies ihren Haushaltsstress und Kaffee-Junkies werden schon beim Betreten des Lokals durch die Röstaromen schwach. Doch Spaß und Klischees beiseite: Dank vieler Klassiker – hausgemacht und mit viel Liebe – wurde Rainer Troys Café am Kornmarktplatz zur Institution und versüßt der halben Stadt den Tag. Unbedingt Croissants und Mohnkuchen probieren! Wer selbst schon süß genug ist, freut sich auf frisch gebackene Quiche, ein heißes Süppchen oder Pastavariationen zum Lunch.

Theatercafé

Ein Barista bereitet einen Cappuccino zu Ein Barista bereitet einen Cappuccino zu

PETRUS CAFÉ BRASSERIE 

Besonderheiten: Einrichtung, Brasserie-Gerichte

Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn wir alle etwas mehr „Petrus“ sein könnten. Gutes Essen, feiner Wein, angenehme Gesellschaft und ein Blick für das Schöne. Bis dahin genießen wir eben die Zeit vor Ort und freuen uns, dass Familie Brattinga-Hillbrand diesen belgisch-französischen Einfluss auf die Anton-Schneider-Kulinarik-Straße und die Gastro- Szene hatte. Moules frites, geschmorte Artischocke, eine fantastische Bouillabaisse, hausgemachte Pasta, gegrillte Jakobsmuscheln, Coq au vin und Steaks vom Monolith-Grill sind ebenso gute Argumente für einen Besuch wie die Auswahl auf der Wein- und Bierkarte.

Petrus Café Brasserie

Blick in das Café BAHI in Bregenz Blick in das Café BAHI in Bregenz

KLOSTERKELLER MEHRERAU

Besonderheiten: Kellergewölbe, Innenhof

So schnell kann’s gehen: Da werden Klosterräumlichkeiten hunderte Jahre als Stallgebäude und als Kartoffelkeller genutzt, bevor man in den 90ern den wahren Wert erkennt und ein außergewöhnliches Gastronomiekonzept startet. Seither sind das prächtige Gewölbe und der schöne Innenhof ein beliebtes Ausflugs- und Genussziel (200 Meter vom See entfernt), in dem praktischerweise auch landwirtschaftliche Erzeugnisse des Klosters verwendet werden. Wirte- Paar Claudia und Werner Wäger sind jedenfalls für ihre regional-saisonale Küche bekannt. In Verbindung mit der klösterlichen Atmosphäre und Beistand von ganz oben kann also nichts schiefgehen.

Klosterkeller Mehrerau

Die Pächter stoßen im Klosterkeller an Die Pächter stoßen im Klosterkeller an

RESTAURANT BREGENZER SEGEL-CLUB 

Besonderheiten: direkt am See, Lounge-Terrasse

Chilliger Sound aus den Lautsprechern, gekühlt Pri-ckelndes im Glas, die Masten der Segelboote spiegeln sich im Wasser, aus der Küche erreicht uns der Duft vom Lunch – was in St. Tropez oder auf Mallorca funktioniert, gefällt uns auch am Bodensee. Dietmar Unterweger hat für den Bregenzer Segel-Club eine mediterrane Wohlfühl-Oase geschaffen, deren Vorzüge auch Nicht-Segler entspannt genießen können. Die Küche orientiert sich am Ambiente: Mit Pasta-Ge-richten, Fisch und Salatvarianten zelebriert man die „loungige“ Leichtigkeit, Grillteller, geröstete Kalbsleber und Backhendl sind Klassiker, auf die man sich immer wieder freut.

Restaurant Segelclub

GERMANIA HOTEL.RESTAURANT

Besonderheiten: saisonale & frische Küche, Familienbande eben

Fast schon kitschig, wenn der Nachwuchs einer Hoteliers-Familie nicht nur in den Betrieb einsteigt, sondern gleich auch jede Menge frischen Wind mitbringt. Als kulinarisches Vater-Tochter-Gespann sind Hans & Barbara Fesenmayr verantwortlich dafür, dass ein Traditionshaus in Top-Lage (zwischen Berg, See und City) auch für seine zeitgemäße Küche Bekanntheit erlangt. Zugegeben, Küchenchef Roman Frischenschlager & Schwiegersohn Tommie Svensson sind auch nicht ganz unschuldig daran. Immerhin genießen die Gäste feinstes Beef Tartar pikant mariniert, Variation von heimischen Fischfilets, Zwiebelrostbraten mit hausgemachten Rösti und, nicht zu vergessen, auch vegane Köstlichkeiten wie Dal von roten Linsen.

Germania Hotel.Restaurant

BUEHNEDREI 

Besonderheiten: Lage, Atmosphäre

Ist es die Luft, der Blick oder das Mikroklima? Wir werden das Gefühl nicht los, dass in Seenähe alles besser schmeckt. Das gilt praktischerweise für die ganze Stadt, im Speziellen aber für die Lokale mit direkter Lage. Zum Glück verfügt das Restaurant des Festspiel-und Kongresshauses auch über die Fähigkeiten, diesen besonderen Platz wie die namensgebenden Symphoniker auch kulinarisch zu bespielen. Gekocht wird, was Saison hat, schmeckt und Spaß macht. Während man also flaniert, das bunte Festspieltreiben oder die Sundowner beobachtet, genießt man Trüffelpasta, Fischfilet, Pulled-Pork-Sandwich oder Schaumsüppchen.

Buehnedrei

KESSELHAUS 

Besonderheiten: Burger, Salsa Nights

Das kommt davon, wenn verrückte, lebenshungrige, junge und junggebliebene Leute ihr eigenes Lokal betreiben … Positive Vibes, wohin man sieht. Mediterran-urbane Wohlfühl-Gerichte passend zu Stimmung und Jahreszeit. Regelmäßige Partys. Das Schönste an Christiano De Britos Konzept: Man wird selbst schnell Teil davon. Ob man nun einen der großartigen Burger verputzt oder sich über die ständig variierende Spezialitäten hermacht (Gnocchi, Lamm- Spießchen, Rippchen, Frittura di Mare oder Pizza-Variationen), wir empfehlen, mit vielen Leuten herzukommen, damit man auch schön von allem probieren kann.

Kesselhaus Bregenz

Text: Markus Curin