Bregenz hat eine bewegte Geschichte hinter sich – und bleibt dabei nicht stehen. Das fasziniert Saskia Reinhard. Sie gibt diese Begeisterung an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrer Stadtführungen weiter. 

Fundierte Ausbildung 

Gerade kommt sie von einer steirischen Reisegruppe zurück. Statt die immergleichen Geschichten herunterzubeten, sind Saskia Reinhard individuell ausgewählte Inhalte wichtig. Sie überlegte: Gab es da nicht einen historischen Bregenzer Grafen mit Bezug in den Südosten Österreichs? Tatsächlich: Nach kurzer Recherche wurde sie fündig: Hugo der Minnesänger (1357 – 1423), mit einem Brunnen am Ehregutaplatz in der Oberstadt verewigt, war nach seiner Bregenzer Zeit Landeshauptmann in der Steiermark.

Saskia Reinhard ist selbst viel herumgekommen. Die gebürtige Bregenzerin hat einen niederländischen Pass, lebte lange in Wien und Frankreich. Sie ist in der Kultur- und Sprachvermittlung tätig. Vor einigen Jahren entschied sie sich dafür, „austriaguide“ zu werden. Geologie, Flora und Fauna in ganz Österreich standen beispielsweise auf dem umfangreichen Lehrplan. Viel Arbeit – und dennoch: „Das war die schönste Ausbildung, die ich je gemacht habe.“ Besonders angetan hat es ihr von Anfang an die Industriegeschichte – ein Fach, in dem sie viel Neues lernte. Das galt nicht zuletzt für ihre Heimatstadt. „Dass es vor hundert Jahren dampfende Schlote in Bregenz gab, habe ich vorher nicht gewusst“, sagt sie und erzählt lebhaft von Firmen wie Maggi, Benger (Wirkwaren), der Wollgarnspinnerei Schöller und Elektra Bregenz.

Eine Stadtführerin vor einem alten Backsteinhaus und einer Uhr Eine Stadtführerin vor einem alten Backsteinhaus und einer Uhr

Lichte Architektur 

Bei den Führungen gilt das Interesse der Besucherinnen und Besucher vor allem der Seebühne und ihrer direkten Umgebung. Die Chance für den Autor dieser Zeilen, die eigene Wissenslücke zu schließen und die Expertin zu fragen: „299.797.458 m/s“ ist auf einer großen Installation am Festspielhaus zu lesen. Das entspricht der Lichtgeschwindigkeit; das immerhin ist noch aus dem Physik-Unterricht hängengeblieben. Aber was hat sie an diesem Ort zu bedeuten? „Damit nimmt der walisische Künstler Cerith Wyn Evans Bezug auf die neue lichtdurchflutete Architektur des Hauses“, erklärt sie mir.

Einer Dame wird über die Schulter geschaut, wie sie in einem Reiseführer blättert Einer Dame wird über die Schulter geschaut, wie sie in einem Reiseführer blättert

Überraschende Geschichten 

Nicht nur Touristen erfahren bei ihr Neues, offensichtlich auch manche Bregenzer. Ein Beispiel ist die Michaelskapelle, die unter dem Chor der Stadtpfarrkirche St. Gallus liegt. Im Jahr 1997 kamen dort Malereien und Kritzeleien zum Vorschein – angefertigt von reisenden Pilgern und Einheimischen. Eine solche Entdeckung entspricht Saskia Reinhards Credo: „Ich mag es, Geschichten zu erzählen. Und liebend gerne höre ich auch selbst welche.“

Text: Thorsten Bayer

Bilder: Manuel Paul