NEED FOR SPEED
„Als ich Joseph Gray 2009 zum ersten Mal die Strecke zeigte, bildete ich mir ein, ich kann anfangs mit dem Fahrrad neben ihm herfahren. Als es steil wurde, gab ich ihm jedoch bald keuchend den Rat, er solle sich einfach links halten und ließ ihn ziehen.“ So wurde der Profi aus Übersee in den heimischen Wald am Bodensee entlassen, in der Hoffnung, er möge sich nicht verlaufen. Dass ein Weltmeister im Berglauf im Alltag etwas andere Gewohnheiten pflegt als ein normalsterblicher Hobbyjogger, zeigt folgende Anekdote von Horatschek: „Meine Frau und ich haben Joseph mit ein paar Freunden zum Pizzaessen bei uns zu Hause eingeladen. Es war ein toller Abend und wir hatten es noch lustig bis spät in die Nacht. Morgens um vier entschied sich unser amerikanischer Gast dann, ins Hotel zurückzugehen. Wir dachten, er wäre müde, wie wir alle. Doch Joseph zog sich seine Sportklamotten an und lief kurz entschlossen nach St. Margrethen und wieder retour. Da sieht man, was die Pizza meiner Frau ausmacht!“ Ein kurzes Statement oder Bilder bekommt man von Joseph Gray vor dem Start des Pfänderlaufs übrigens nicht. Doch das hat weniger mit Überheblichkeit als mit Tatendrang zu tun. Vor dem Rennen läuft er nämlich immer an der Pipeline entlang nach Lochau und wieder zurück ... um sich aufzuwärmen! Im Gespräch über die Freundschaften und Geschehnisse rund um den Pfänderlauf könnten wir Willi Horatschek noch lange zuhören. So erfahren wir im Interview unter anderem, dass sein vierjähriger Enkel auch schon selbstständig die gesamte Strecke gelaufen ist. Der Opa selbst bezwingt seit Jahren jeden Dienstag mit Freunden den Hausberg und im Rom-Urlaub musste wegen Willi schon mal das Bombenkommando anrücken. Aber die Geschichte über den vergessenen Rucksack erzählen wir ein anderes Mal ...