Nö, im Gegenteil. So schmeckt Genusswandern nämlich wirklich… Wer wandert, der wundert – und das in seiner schönsten, spannendsten und – in unserem Fall – schmackhaftesten Form. Wovon wir sprechen? Vom Käse-Wanderweg. Oder vom Käse-Lehrpfad. Was in diesem Fall das Gleiche ist. Weshalb der „Weg der Käsewege“ derart schön ist? Weil man kein Spitzensportler sein muss, um ihn zu begehen. Und weil man nichts tun muss, außer laufen und genießen…

Gleich vorweg: Der Käse-Wanderweg ist alles, nur nicht Käse. Klingt komisch, ist aber so. Unser Fazit, nachdem wir uns extra frühmorgens um acht Uhr aus dem Bett „gequält“ haben (einfach, weil sooooo schönes Spätsommerwetter war): Es gibt wenige Wege, die derart schön sind – und es gibt wenige Wege, die uns derart herrliche, nein, großartige Ausblicke auf unsere Ländle, auf die Stadt Bregenz, auf den Bodensee und auf die umliegenden Berggipfel eröffnet haben, wie dieser „Käse-Walk“.

Obwohl wir dachten, dass wir als „alte Wandertigerinnen“ Bregenz und seine Umgebung wie unsere Westentasche kennen, haben wir uns geirrt. Auch dachten wir, dass der Käsewanderweg nur was für Familien sei. Oder für Leute, die unbedingt was über die Käsekultur in Vorarlberg erfahren wollen. Kurzum: Weit gefehlt! Der Käsewanderweg ist ein leichter, im übertragenen Sinne „bekömmlicher“ Weg durch eine Landschaft, die schönheits- und erlebnismäßig ihresgleichen sucht.

Zwei Wanderinnen genießen den Sonnenschein am Pfänder Zwei Wanderinnen genießen den Sonnenschein am Pfänder

Wissen, Käse, Aussichten: So schmeckt’s bei uns

Als wir bei der ersten Schautafel angekommen sind und uns das gemütliche Bänkle anlächelt, machen wir Halt. Wir packen unseren Käse-Proviant aus und beginnen zu lesen. Aha, so funktionierte das also in der Vergangenheit. Wir erfahren, wie das zum Beispiel damals war, als der Vorarlberger Käse Einzug in die Tisch- und Kulturmanieren unseres Landes hielt. Oder wie die Bewirtschaftung unserer Wiesen und Weiden zu einem einzigartigen Zusammenspiel kollaborierte.

Eine Gruppe glücklicher Kühe auf dem Käselehrpfad Eine Gruppe glücklicher Kühe auf dem Käselehrpfad

Ein Weg, der uns was bedeutet …

Weshalb wir bei uns, also in Bregenz, überhaupt so einen käsigen Weg haben? Tja, das verdanken wir der Familie Rupp, die bereits seit 1908 im Käsebusiness ist; heute bereits in dritter Generation. Und wie mit allem, das irgendwo seine Wiege hat, sind auch wir Vorarlberger stolz, solch unternehmerisches Genusstalent unser „eigen“ nennen zu können. Schließlich hat diese Familie das Käseleben bei uns weitgehend geprägt. Aber Schluss mit der Vergangenheit, schließlich interessiert uns das Jetzt, das Heute und das Hier. Und das ist weitaus mehr als der Unterschied zwischen Käse- und Heugabel. Es geht darum, dass man als Wanderer auf dem Käsewanderweg auch gleichzeitig Betrachter ist - von Beziehungen zwischen Bauern, Sennereien, Gastwirten und Handel. 

Und es geht darum, ein Stück weit Kultur, Genuss und köstlicher Bestrebungen zu erleben, zu schmecken, zu entdecken. Aber vor allem ist der Käsewanderweg eine Zeit, die niemandem gehört, außer sich selbst. Das sehen wir auch an den Menschen, die uns auf diesem Weg begegnen. Zum Beispiel an den Familien, deren Kinder schon gefühlte hundert Meter vorausgeeilt sind, um die herrliche Naturlandschaft zwischen ihren erdigen Fingern spüren zu können. Die die Blätter und „Nüssle“ sammeln, die lachen und immer noch das schwebende Gefühl der Pfänderbahn-Auffahrt gespeichert haben.

Zwei Wanderinnen bewundern die Aussicht auf dem Käselehrpfad Zwei Wanderinnen bewundern die Aussicht auf dem Käselehrpfad

Fazit: Anschauen, genießen und hinschmecken

Ohne großes Drumherum: Unser Fazit zur Käse-Wanderung mit atemberaubenden Ein- und Aussichten über Bregenz und den See: Hätten wir schon viel früher machen sollen, ganz ehrlich. Denn, wie so oft im Leben: Die schönsten Dinge liegen direkt vor unserer Nase. Man muss sie nur sehen – äh, begehen.

FACTS:

Käsewanderweg mit Käselehrpfad Bregenz über Eichenberg bis ins Allgäu (D)

Auffahrt mit Pfänderbahn: Nach ca. 15 Minuten Gehzeit erreichen Sie nach der Parzelle Moos/Lochau den Beginn des Käsewanderweges.

Ein Teil des Weges ist als Lehrpfad gestaltet. Zwölf Tafeln erklären dem Wanderer anschaulich und eindrucksvoll Wissenswertes über die Erzeugung von Vorarlberger Käse.

Inklusive bewirteter Raststationen und Besichtigungsmöglichkeiten von Sennereien und Bauernhöfen

Seehöhe: 1035 m, Weglänge: 8 km, Wegdauer: 1.5 h, Höhendifferenz: 150 m

Begehbarkeit: Frühjahr bis Herbst

Text: Patricia Erne

Fotos: Marina Schedler Photography